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Haben wir einen Hund oder einen Kind gekriegt ?

Am 1. 9. 2006 haben wir den schönsten aller Hundewelpen bei Checkpoint Charlie in Deutschland abgeholt.

Seit dem ist jetzt ein Jahr vergangen und ich frage mich: Haben wir einen Hund oder ein Kind gekriegt? Wenn ich daran denke, wie wir uns gebärdet haben seid wir uns für einen neuen Hund entschlossen haben, ist es durchaus mit einem Kind zu vergleichen.

Seid wir uns letztes Jahr Balou ausgesucht haben, haben wir uns darauf gefreut ihn nach Hause zu holen. In den 5 Wochen Wartezeit – er war 3 Wochen, als wir ihn gewählt haben, haben wir seine Entwicklung übers Internet mitverfolgt. Michaela hat uns laufend mit Informationen, Fotos und Filmen versorgt und das hat die Wehen erst so richtig in Gang gesetzt. Wir waren wie Eltern, die sich auf die Geburt ihres Kindes gefreut haben und die Mädchen erwarteten gespannt ihren neuen kleinen Bruder.

Wir kauften Spielzeug, Leinen, Bücher, Hundebett und haben uns vorbereitet wie damals, als wir unsere Töchter erwarteten.

Am 1. September fuhren wir dann erwartungsvoll und gut gelaunt zu Freiburg an der Elbe. Das Auto war gerüstet mit Handtüchern, Wasserflasche, Decken und Tüten – falls der Kleine auf der langen Heimreise reisekrank werden würde.
Als wir ankamen holten andere bereits ihren Familienzuwachs. Michaela holte Balou und „warf“ in fast in meine Arme. Was war er doch gewachsen in den letzten 5 Wochen! Michaela hatte auch ein Startpaket gepackt für uns – mit allem was das Herz begehrt für den Start mit einem kleinen Welpen. Sogar ein kleines Buch mit Bildern und vieles mehr.
Alles wurden besprochen und erklärt, sodass wir sicher waren auch alles mit unserem Schuldeutsch verstanden zu haben. Balou lief freudig mit zum Auto und hier musste Michaela sich dann verabschieden. Wir versprachen, dass dies nicht der letzte Abschied sein würde.

Die Heimfahrt inklusive Fährtur verlief bestens. Balou schlief fast die gesamte Zeit auf meinem Schoß.

Daheim war alles vorbereitet und da wir alle ziemlich müde waren, gingen wir schnell zu Ruh. In bester hundepädogischer Weise schlief ich auf einer Matratze auf dem Küchenboden, damit Balou nicht alleine war.
Im Laufe der Nacht waren wir oft draussen (wie das Windelnwechseln), aber sonst schlief er friedlich und gut. So ging es die nächsten Nächte, Ballou fand heraus, dass er lieber im Vorgang schlief, hier war es schön kühl. In der dritten Nacht hatte er sein „eigenes“ Zimmer unter Aufsicht und zwei nächtlichen Gassi-Turen um 23. Uhr und um 5 Uhr. Ansonsten folgte er dem Rhythmus im Haus.

Das tägliche Topftraining dagegen verlief nicht ganz so reibungslos. Die ersten 14 Tage gingen wir um die 4 Mal pro Stunde raus um die verschiedenen Geschäfte zu erledigen und trotzdem konnte Balou nach 10 Minuten zu Hause auf den Boden pischen. Doch plötzlich wandte sich die Situation und wir schafften mehrere Stunden im Haus ohne kleine Unglücke. Wir waren sicher: Wir waren im Up and Go Alter.

Wir begannen mit Gehorsamstraining in der Welpenklasse, wo Balou lernen sollte mit anderen Hunden umzugehen. Hier war er fantastisch. Im ersten Klubwettbewerb an dem wir teilnahmen belegte er den ersten Platz, er bezauberte die Richter.

Wir nahmen Balou mit auf Spaziergänge in die Stadt, aber es war fast kein Durchkommen, da alle Leute ihn begrüßen wollten.

Unsere ersten Sommerferien verbrachten wir auf Fanø , wo wir ein tolles Haus ganz nahe am Strand gefunden haben.

Eine Woche vor Ferienbeginn wollte Balou plötzlich nicht mehr fressen. Erst dachte ich es läge am Futter und wechselte zurück zu Welpennahrung. Aber das funktionierte nur für einen Augenblick. Ich bekam Probefutter vom Tierarzt – das mochte Balou und ich kaufte einen Sack Futter für 499,- Kronen. Aber „Nein Danke“ – kaum war die Tüte geöffnet mochte Balou nicht mehr fressen. Er wurden untersucht – hatte ein wenig Fieber, bekam Penicillin und ich dachte das wäre es jetzt. Aber nein. Wir waren zur Ausstellung gemeldet und Balou sollte weder an Gewicht verlieren oder schwach werden, also fütterte ich ihn mit den Händen. Mit großer Geduld ist es mir gelungen ihn am Fressen zu halten – mit kleinen in Leberpastete getauchten Happen und Tabletten, die er dann in sich schleckte.

Auf Fanø bekamen wir Besuch von Annette Rindom und ihrem Mann. Sie hatte Frolichfutter mit, welches Balou mit Begeisterung verschlang. Was machten wir? Wir leerten den lokalen Kaufmann von seinen Vorräten, aber nein – das war nur gut zur Belohnung.
Ich bemerkte auch, das Balou nicht mehr so gehorsam war und ausserdem alles bedecken wollte, was in seiner Nähe war und zu heulen anfing, wenn er nicht durfte…
Da ging mir ein Licht auf: Unser Kind war im Alter von 13 Monaten in der Pubertät angelangt. Das war eine große Erleichterung, denn ich hatte im Internet schon einige schlimme Leiden entdeckt, die es einfach nicht sein durften.

Wir genossen unsere Ferien sehr und Balou traf einen anderen Sheepdog ”Tot”, der OES von Annettes Tochter. Die Hunde gingen gemeinsam am Strand spazieren, aber Tot war nun schon um einiges reifer als Balou, der ihm mit seinem Potenzgehabe auf den Geist zu gehen schien. Es sah wirklich so aus als würden er denken :”Oh nein, nicht der schon wieder,” wenn wir an dem Eiskiosk vorbeikamen, den Tot und Mia hielten.

Balou genoss es am Sandstrand von Fanø zwischen uns her zu laufen und zu springen und richtigen Sand zwischen den Pfoten zu haben. Wir wußten, dass unser Tierarzt auch aus den Ferien zurück sein würde wenn wir von Fanø kommen, so würde ich Klarheit über meine Pubertätstheorie bekommen. Und hier kam mir auch der Gedanke: Habe ich einen Hund oder Kind bekommen?

Nach den Ferien gab mir der Tierarzt Recht, dass es sehr wohl möglich sei. Nach der Ausstellung solle ich Balou sozusagenden Stuhl vor die Tür setzen: Will er nicht fressen – weg mit dem Futter und bis zur nächsten Mahlzeit warten. Es hätte sich noch kein gesunder Hund zu Tode gehungert. Das waren dann mal 650 Kronen für Penicillin und Untersuchung, samt eines Sack Futters für 499 Kronen – was tut man nicht alles für seine Kinder!

Hier mag der Leser gerne über uns den Kopf schütteln, aber ich habe kein schlechtes Gewissen wegen all des Aufhebens. Wir lieben unseren Hund und er gibt uns so viel zurück. Ich war auch ein bißchen gestresst wegen der Ausstellung, sonst hätte ich vielleicht sofort das Futter weggestellt.

Wie bei Kindern, wo man neue Bekannschaften durch Schule und andere Institutionen schließt, so haben wir auch viele neue Freunde durch Kennel, Klub und Ausstellungen.
Michaela hat uns ein paar Mal besucht, und ich bin mit neuen Welpenkäufern bei Michaela gewesen. Wir schreiben mit Deutschen, die auch Welpen von Michaela haben in einer Gruppe im Internet. Das kann man wohl als Müttergruppe bezeichnen. Wir haben neue Freunde hier in Jütland und der OESKlub war sehr hilfreich und entgegenkommend. Von einer Grüppchenbildung haben wir nichts gemerkt – ganz im Gegenteil, wir haben viel Hilfe und Zuspruch bekommen. Birthe Fromberg hat uns Material und Infos geschickt obwohl Balou nicht aus ihrem Kennel stammt, viele haben uns Tips zum Bürsten gegeben, obwohl wir vielleicht Konkurrenten werden.

Wenn wir zurückblicken ist es unglaublich, wie viele positive Erlebnisse wir gehabt haben. Und wer weiß, vielleicht bekommt Balou eines Tages eine kleine Schwester oder einen kleinen Bruder. Michaela hat auch ihre Ideen mit Balou und vielleicht wird er ja eines Tages Vater des nächsten Welpen, den wir haben werden. Das wird sich zeigen…

Hiermit möchte ich mich bei allen im Klub bedanken, für eure tolle Art. Danke für all das was wir von euch lernen durften und wir freuen uns schon darauf euch wieder zu sehen. Wenn nicht schon vorher, dann zur Weihnachtsausstellung in Køge, wo vor einem Jahr alles begonnen hat mit unserem tollen Hund Balou.


Christa und Povl

Balou

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